Der Winter ist für Menschen ohne eigene Wohnung eine harte Zeit. Im zweiten Corona-Lockdown sind mit geschlossenen Einkaufszentren, Bibliotheken und leeren Innenstädten nicht nur warme Aufenthaltsorte, sondern auch Einkommensmöglichkeiten weggefallen. In der Innenstadt versorgt bodo Menschen, die den Tag auf der Straße verbringen, an sechs Tagen in der Woche mit heißen Getränken und Nötigem. Kaffee & Knifte heißt das Projekt.
Warme Mahlzeiten im Großzelt und Hotelzimmer für Obdachlose in Dortmund, Hausbesuche auf der Straße und ein Rundgang durchs Hilfesystem in Bochum: Mit Reportagen von draußen blickt das Straßenmagazin auf den vergangenen Winter zurück. Ebenfalls im Heft: Neustart im Fletch, Trüffel in Recklinghausen, Bochumer Ruhrgebietsgeschichte in Dortmund, Gefängnispost aus Belarus uvm.
Warum nicht Hotels? Was außerhalb von Corona etwas absurd klingen mochte, ist in der Pandemie seltsam realistisch und pragmatisch geworden: Die Unterbringung von Obdachlosen in leerstehenden Hotelzimmern könnte zumindest kurzfristig Menschen von der Straße holen und würde den krisengeplagten Hotels Einnahmen verschaffen. In Dortmund haben bodo, das Gast-Haus und das Team Wärmebus im Januar ein Modellprojekt gestartet – und überraschend schnell Erfolge bemerkt.
Was mit dem Beginn der Pandemie sofort sichtbar wurde: dass mit der Schließung der meisten Einrichtungen, Cafés, Bürgerbüros und Einkaufszentren auch Orte elementarer Bedürfnisse weggefallen sind – Duschen und zugängliche Toiletten. In einem Gemeinschaftsprojekt mit anderen Einrichtungen haben wir unter dem Dach des Paritätischen in einer städtischen Immobilie in der Dortmunder Innenstadt ein temporäres Hygienezentrum installiert, in dem Menschen ohne Wohnung dreimal in der Woche kostenlos duschen können.
Der Verkauf des Straßenmagazins lebt von Kontakten, positiven Begegnungen, auch Nähe – eigentlich. In der Pandemie heißt das: unseren VerkäuferInnen ihre Tätigkeit zu ermöglichen und sie und ihre KundInnen gleichermaßen zu schützen. Wir statten unsere Verkaufenden mit FFP-2-Masken und Handschuhen aus, außerdem ist der Kauf des Straßenmagazins jetzt völlig kontaktlos möglich.
Wohnungslose Menschen sind durch die Corona-Pandemie stark betroffen. Die meist nur eingeschränkte Öffnung von Tagesaufenthalten oder Essensausgaben sorgt dafür, dass besonders im Winter vielerorts Angebote fehlen. In Dortmund schließt die Winternothilfe am U eine Versorgungslücke für Wohnungslose – und hat jetzt große Unterstützung durch HELLWEG erfahren. Bundesweit 100.000 Euro spendet das Bau- und Gartenmarktunternehmen an Organisationen zur Unterstützung von obdachlosen Menschen – 20.000 Euro davon kommen Dortmunder Einrichtungen zu Gute.
Mit Enttäuschung nimmt der bodo e.V. das „Kältekonzept“ für wohnungs- und obdachlose Menschen zur Kenntnis, das die Stadt Bochum in dieser Woche vorgestellt hat. „Seit Monaten mahnen wir, dass der Corona-Winter für Wohnungslose gefährlicher werden könnte als ohnehin. Und seit Monaten haben wir auf ein städtisches Konzept gewartet, das der durch die Pandemie zugespitzten Lage Betroffener gerecht wird“, sagt „bodo“-Redaktionsleiter Bastian Pütter. „Das, was jetzt vorliegt, geht über kommunale Pflichtaufgaben jedoch kaum hinaus.“
Sobald es kälter wird, erreichen uns Fragen, die die Unterbringung von Wohnungslosen betreffen. Bis 2015 war das meist verbunden mit dem Verweis auf Leerstände. Seit der „Flüchtlingskrise“ wurde auf die mit beeindruckendem Tempo geschaffenen Unterkünfte für Geflüchtete verwiesen. Vor dem ersten Corona-Winter lautet die Frage oft, ob nicht in der Pandemie kaum belegte Hotels genutzt werden können. Die Antwort lautet immer: Im Prinzip ja.
Durch Corona sind wichtige Anlauf- und Aufenthaltsorte für wohnungslose Menschen weggefallen. Für den Winter haben wir nun endlich eine Lösung für die wettergeschützte Verpflegung gefunden.
Von Anfang November bis Ende März versorgen das Gast-Haus, die Kana Suppenküche, der Dortmunder Wärmebus und wir wohnungslose Menschen zweimal täglich mit Frühstück und einer warmen Mahlzeit. Dazu brauchen wir ihre Hilfe!
Mit dem Lockdown sind auch viele Orte für Wohnungslose unerreichbar geworden – gerade bei Duschen und Kleiderkammern ist das ein Problem. Seit fünf Wochen gibt es darum in der Dortmunder Innenstadt ein temporäres Hygienezentrum, in dem wohnungslose kostenlos duschen und sich mit frischer Kleidung versorgen können. Mehr als 600 Mal wurde es bis jetzt genutzt und wird nun verlängert.

