Auf Umwegen zu Hilfe Bei ihren täglichen Touren durch die Dortmunder und Bochumer Innenstadt versorgen die „Kaffee & Knifte“-Teams von bodo Menschen auf der Straße…
In der Nacht auf den 7. Mai wurde Tanja, eine 40-jährige obdachlose Frau, in der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofs schwer verletzt aufgefunden. Sie starb wenig später im Krankenhaus. Der Fall ist ein weiterer schrecklicher Höhepunkt in einer langen Reihe von Gewalttaten gegen Obdachlose in Dortmund.
Helena Steinhaus kämpft für eine menschenwürdige Grundsicherung, Franziska Schutzbach möchte den Begriff der Frauensolidarität „von seiner Kalenderspruch-Betulichkeit befreien“, Şeyda Kurt fragt, wie politisch Gefühle sind, Elke Heidenreich richtet eine Bibliothek ein: das Straßenmagazin im März.
Wieder sind in Dortmund innerhalb weniger Tage zwei wohnungslose Menschen gestorben. Am Sonntag wurde ein Mann tot in Brünninghausen gefunden. Am Donnerstag starb ein weiterer Mann in einem Krankenhaus. Bei beiden Männern war Unterkühlung eine Todesursache. Damit steigt die Zahl der seit Jahresanfang in Dortmund gestorbenen Obdachlosen auf mindestens fünf.
Innerhalb einer Woche sind in Dortmund zwei wohnungslose Männer bei Minusgraden gestorben. Am 19. Januar wurde der Wohnungslose Jörg leblos an der Reinoldikirche gefunden, wenige Tage später starb bodo-Verkäufer Yetkin am Freistuhl.
„Faust“-Preisträgerin Anna Drexler bleibt Bochum erhalten, Metropolenschreiber Daniel Schreiber hat Vermutungen über das Ruhrgebiet, Stadtarchäologe Ingmar Luther wüsste gern mehr über die Tunnel unter Dortmund, Daniel und Mirabella haben Zwillinge, aber keine Wohnung. Das Straßenmagazin im Februar: 3,50 Euro, die Hälfte für die Verkäuferin / den Verkäufer, nur auf der Straße.
Wir wollen über Obdachlosigkeit aufklären, Begegnung schaffen, Wissenslücken schließen, und so Vorurteile abbauen. Bei unseren sozialen Stadttouren nehmen wir mit auf einen Rundgang durch Bochum und Dortmund und erzählen, was Wohnungslosigkeit bedeutet – und was es braucht, sie zu beenden.
45 Jahre lang war Hasan Şahin Gesicht und Seele des Buchladens, Cafés und Kulturhauses Taranta Babu im Dortmunder Klinikviertel. Für unser September-Heft hatten Sophie Schädel und Daniel Sadrowski ihn zum Jubiläum des „Taranta“ porträtiert. Am Wochenende ist er gestorben.
Das Straßenmagazin erscheint im Dezember mit einem Viertel mehr Umfang und u.a. diesen Geschichten: Bodo Rauhut bringt Kindern das Arbeiten mit Holz bei. Dominik Bloh erklärt, was nach der Straße kommt. Amar und Huda Refai sind vor zehn Jahren aus Homs nach Dortmund geflohen eine Langzeitbegleitung. Peavy Wagner hat Herne auf die Heavy-Metal-Landkarte gebracht. Eckhard John erklärt, wo „O Tannenbaum“ Stadionhymne ist. bodo-VerkäuferInnen backen und zeigen ihre Lieblingsorte.
Diese Frage haben wir unseren Verkäuferinnen und Verkäufern gestellt. So unterschiedlich die Menschen sind, die das Straßenmagazin verkaufen, so unterschiedlich waren auch die Antworten, die wir bekommen haben. Von reiseführertauglichen Sehenswürdigkeiten bis hin zu Alltäglichem und Abseitigem. Entstanden sind zwei Jahreskalender von und mit Ihren bodo-VerkäuferInnen.

