Einer der wichtigen Faktoren für die VerkäuferInnen des Straßenmagazins sind die vielen Begegnungen, die auf der Straße zustande kommen. Dass es so läuft wie bei Stefan und dem Dortmunder Dirk Leiss, ist allerdings selten. Bei einem Besuch in der Redaktion hat unser langjähriger bodo-Verkäufer erzählt, wie aus einer zufälligen Begegnung ein gemeinsames Musikprojekt entstanden ist.
Am 31. Juli erscheint die Augustausgabe des Straßenmagazins „bodo“. Die Redaktion trifft die nach 20 Jahren wiedervereinten Tresenleser Frank Goosen und Jochen Malmsheimer, telefoniert mit Spike Lee, besucht „Urban Sketchers“ im Mengeder Volksgarten und ImkerInnen in Hattingen, stellt das System Tönnies vor, Konzepte zur Prävention von Wohnungslosigkeit und einen singenden bodo-Verkäufer.
Daniel Sadrowskis Fotos machen dieses Magazin seit Jahren zu dem, was es ist. Gemeinsam mit Gerhard Kurtz betreibt er seit 10 Jahren im Dortmunder Union Gewerbehof einen unabhängigen Ausstellungsraum mit internationaler Ausstrahlung, einen Ort für den Austausch über Fotografie und Kunst, der gleichzeitig Atelier, Labor und Bibliothek ist.
Mit Beginn der Covid-19-Pandemie wurde der öffentliche Raum zur Verbotszone. Während Kontakte und Ansammlungen untersagt waren und sich Deutschland nach Hause zurückzog, hatten diejenigen Pech, die das nicht konnten. In Dortmund erhielten mehrere Wohnungslose Bußgelder wegen des Verstoßes gegen die Coronaschutzverordnung. Es geht zum Teil um vierstellige Summen.
Während in mehr und mehr Bereichen nach dem Lockdown so etwas wie Normalität zurückkehrt, ist die Lage von Wohnungs- und Obdachlosen weiter problematisch. Von den Lockerungen der vergangenen Wochen war die Wohnungslosenhilfe quasi ausgeschlossen, noch immer fehlen Beratungsorte und Aufenthaltsräume. Doch nun werden die ersten Nothilfeangebote zurückgefahren.
Eine Stadtschreiberin als Rückkehrerin, ein „Rektor“ einer Wildnisschule, ein Symphonieorchester nach Coronaregeln, eine Gleichstellungsbeauftragte zu Rollenmustern in der Pandemie, Corona-Bußgelder für Obdachlose, vier Positionen zu Rassismus und 250 Fahrräder für die Radwende: Das Straßenmagazin im Juli.
Noch vor Pfingsten erscheint die Juni-Ausgabe des Straßenmagazins mit einer Bochumer Fußballpionierin, Preppern und Feinschmeckern, Problemlösern in der Krise, einem Klassik-Bringdienst, Verschwörungserzählungen, blankliegenden Nerven im Gefängnis, Abiturprüfungen im Ausflugslokal, Veranstaltern in konzertloser Zeit und vergessenen Obdachlosen.
Einige haben sie vielleicht schon wieder gesehen, die VerkäuferInnen des Straßenmagazins „bodo“ in ihren roten Westen. Nach mehr als sieben Wochen sind jetzt viele zurück an ihren Verkaufsplätzen – mit Mund-Nasen-Masken und Vorkehrungen, um sich und andere vor einer möglichen Infektion zu schützen.
Zum ersten Mal in 25 Jahren erscheint im Mai keine reguläre Ausgabe des Straßenmagazins bodo. Stattdessen hat das Fußballblog schwatzgelb.de gemeinsam mit der bodo-Redaktion und mit freundlicher Unterstützung des BVB ein 100-seitiges digitales Magazin erstellt. Es ist ab dem 1. Mai unter http://www.bodoev.de erhältlich und kostet 2,50 Euro. Alle Einnahmen kommen bodo und seinen VerkäuferInnen zugute.
Zum ersten Mal ist das Straßenmagazin nicht dort zu bekommen, wo es seit 25 Jahren hingehört: auf der Straße. Denn das öffentliche Leben, der öffentliche Raum steht still. Also ist diese April-bodo eine besondere. Das Magazin erzählt, so wie seine LeserInnen es kennen, Geschichten aus der Region, von hier, von draußen. Aber: Diese Ausgabe für April und Mai kommt auf Bestellung per Post nach Hause oder digital, und zum Solidaritäts-Preis von fünf Euro. Die Hälfte davon geht in konkrete Hilfe für unsere VerkäuferInnen.

