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bodo e.V.: „Obdachlosigkeit ist keine freiwillige Entscheidung“

Wenige Tage nach dem Todesfall eines obdachlosen Mannes in der Dortmunder Innenstadt ist bekannt geworden, dass ein weiterer Obdachloser im öffentlichen Raum verstorben ist. Für bodo e.V. zeigt sich daran, wie dringend der Handlungsbedarf ist. Die Position des Sozialamtes, dass Obdachlosigkeit bei diesen Temperaturen eine freiwillige Entscheidung sei, ärgert den Verein.

Die WDR Lokalzeit hatte am Montag über den Todesfall vom Wochenende berichtet und in diesem Zuge auch die Verwaltung angefragt. Im Beitrag zitiert sie indirekt: „Aus dem Sozialamt heißt es: Wer bei diesen Temperaturen draußen schläft, habe sich dafür entschieden.“

Für bodo e.V. geht diese Position an der Realität vorbei. „Damit suggeriert man, dass es eigentlich kein Problem gibt, was angesichts einer hohen dreistelligen Zahl an Obdachlosen ‑ die Stadt selbst geht von 500 bis 600 aus ‑ nicht stimmt“, sagt Bastian Pütter aus dem Leitungsteam des Vereins: „Und es verschiebt die Verantwortung weg von der Kommune, die in der Pflicht zur Unterbringung steht, hin zu den Betroffenen.“

Pütter sagt: „Uns erzählen vor allem obdachlose Männer immer wieder, dass sie von der vollen Notunterkunft in der Innenstadt kilometerweit an den Stadtrand geschickt werden und zu jeder Tageszeit selbst zusehen müssen, wie sie dorthin kommen. Diese Hürde und die Aussicht, in einem Container am Zoo zu sein, während das gesamte Hilfenetzwerk, auf das sie angewiesen sind, in der Innenstadt ist, ist für viele so wenig Hilfe, dass sie sich dagegen entscheiden.“

Die Entscheidung gegen ein nicht funktionierendes Angebot sei aber keine für die Straße. „In unserer Arbeit merken wir, dass die allermeisten gern Hilfen annehmen würden, aber an einem für sie zu starren System oder an Bürokratie scheitern“, so Pütter. „Die Innenstadt ist voll von Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen die Übernachtungsstellen nicht nutzen. Wir sind sicher, dass das für die allermeisten keine freiwillige Entscheidung ist. Es hilft nicht, das Problem kleinzureden, wenn es für alle sichtbar ist.“

Der Verein hatte bereits vor einigen Tagen die Dringlichkeit niederschwelliger Angebote betont und wiederholt das noch einmal: „Ganzjährig, aber besonders bei Minustemperaturen müssen Wohnungslose schnell, unkompliziert und ohne weite Strecken überbrücken zu müssen, einen Schlafplatz finden können.“

Der bodo e.V. appelliert bei den eisigen Temperaturen, mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen: Schauen Sie nicht weg! Wenn Sie eine obdachlose Person sehen und sich Sorgen machen, sprechen Sie sie an. Meist wissen Menschen gut, wie es ihnen geht und was sie gerade brauchen. Wenn Sie den Eindruck haben, es liegt ein medizinischer Notfall vor, rufen Sie die 112!