Tod in der Kälte
Innerhalb einer Woche sind in Dortmund zwei wohnungslose Männer bei Minusgraden gestorben. Am 19. Januar wurde der Wohnungslose Jörg leblos an der Reinoldikirche gefunden, wenige Tage später starb bodo-Verkäufer Yetkin am Freistuhl.
Von Alexandra Gehrhardt
Foto: Sebastian Sellhorst
Vor der massiven Holztür der Kirche stehen Kerzen, liegen Blumen. Sie erinnern an gleich zwei Menschen, die in nur einer Woche bei Minustemperaturen im öffentlichen Raum in Dortmund gestorben sind.
PassantInnen hatten den 56-jährigen Jörg am 19. Januar leblos an einem Seiteneingang der Reinoldikirche gefunden. Die Nische wird immer wieder von Wohnungslosen als Schlafplatz genutzt. Jörg, erzählen StreetworkerInnen und Mitarbeitende der Kirche, hatte seit dem Herbst dort seinen Platz.
Wenige Tage später wurde bekannt: Auch bodo-Verkäufer Yetkin ist tot. Er lebte ebenfalls seit vielen Jahren in Dortmund auf der Straße, war vor allem in der Innenstadt und am Stadtgarten unterwegs. Er wurde am frühen Morgen des 22. Januar am Freistuhl gefunden. Er wurde 49 Jahre alt.
Mitte Januar lagen die Temperaturen auch tagsüber unter Null Grad. Für Obdachlose ist das lebensgefährlich. Im vergangenen Winter starben in Dortmund mindestens drei Obdachlose, bei denen Unterkühlung als Todesursache festgestellt wurde. Ein Winternotprogramm gibt es in Dortmund nicht. Die Verwaltung verweist auf bestehende Angebote.
Vor mehr als einem Jahr hatte die Stadt Dortmund angekündigt, zusätzliche niedrigschwellige Unterkünfte einrichten zu wollen. Geplant sind Containerlösungen, die vor allem für Menschen gedacht sind, die sich rund um den Hauptbahnhof und in der Innenstadt aufhalten und die Übernachtungsstellen nicht nutzen. Wie das im Einzelnen aussehen soll, ist noch unklar. Eine Entscheidung darüber hatte der Dortmunder Rat zum Jahresende jedoch vertagt, für die Februarsitzung steht der Punkt wieder auf der Tagesordnung. Er ist jedoch lediglich Teil eines Gesamtkonzepts zum Drogenkonsumraum, über das es seit Monaten Streit zwischen den Fraktionen und der Verwaltung gibt. Auch wenn die Entscheidung im Februar fällt: Zumindest in diesem Winter wird es keine zusätzlichen Plätze geben.
Wenn Sie eine obdachlose Person sehen und sich Sorgen machen, sprechen Sie die Person an. Menschen wissen meist gut, wie es ihnen geht und was sie gerade brauchen. Wenn Sie den Eindruck haben, es liegt ein medizinischer Notfall vor, rufen Sie die 112.

