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Zwei versuchte Tötungsdelikte auf Wohnungslose in Dortmund

Polizei hält Zusammenhang für möglich

Gleich zwei Mal sind in den letzten Nächten in Dortmund wohnungslose Männer angegriffen und schwer verletzt worden. Weil die Taten sich ähneln, hängen sie womöglich miteinander zusammen, vermuten Polizei und Staatsanwaltschaft.

Von Alexandra Gehrhardt
Foto: Sebastian Sellhorst

In zwei Nächten wurden wohnungslose Männer in Dortmund angegriffen udn schwer verletzt. Beide sind mittlerweile außer Lebensgefahr. Foto: Sebastian Sellhorst

Der erste Angriff geschah laut einer Meldung von Staatsanwaltschaft und Polizei in der Nacht zu Donnerstag (30. November) im Dietrich-Keuning-Park. Ein 43-jähriger wohnungsloser Mann sei gegen 0.13 Uhr von einem unbekannten Mann angesprochen worden, der Bargeld und sein Handy forderte. Als er nein sagte, habe der Unbekannte ihm mit einem spitzen Gegenstand in den Bauch gestochen und sei dann geflüchtet. Der Angegriffene habe schwerverletzt zu einer Bekannten laufen können, die in der Nähe wohnt.

In der folgenden Nacht zu Freitag (1. Dezember), heißt es laut Polizei, wurde ein 41-jähriger wohnungsloser Mann schwer verletzt auf einer Bank auf dem Mehmet-Kubaşık-Platz gefunden. Ein unbekannter Täter habe ihm vermutlich mit einem Messer in den Bauch gestochen; vorher hatte er Bargeld von dem wohnungslosen Mann gefordert. Der Angriff geschah gegen 2.30 Uhr.

Beide Männer seien noch im Krankenhaus, aber mittlerweile außer Lebensgefahr, so Staatsanwalt Carsten Dombert. Aufgrund der zeitlichen und räumlichen Nähe, „der Tatausführung und dem unmittelbaren Tatvorgeschehen“, so der Staatsanwalt, halten Polizei und Staatsanwaltschaft einen Zusammenhang zwischen beiden Taten für möglich. Die Polizei sucht außerdem ZeugInnen: Hinweise nimmt die Kriminalwache unter 0231-132-7441 entgegen.

Hinweise auf Tatverdächtige gibt es noch nicht. Der Keuning-Park ist teilweise polizeilich videoüberwacht – das Videomaterial werde zur Zeit ausgewertet. Die Behörden seien für die kommenden Nächte sensibilisiert, sagte Dombert den Ruhr Nachrichten. Es sei möglich, dass wohnungslose gezielt als Opfer ausgesucht würden.

Wer obdachlos ist, ist schutzlos

Menschen ohne festen Wohnsitz sind täglich Opfer von Gewalt. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zählt 281 Wohnungslose seit 1989, die durch nicht-wohnungslose TäterInnen getötet wurden. „Die Gewalt geht dabei von Tätern aus verschiedenen Schichten der Gesellschaft aus“, so die BAG W, Sozialdarwinismus muss als häufiges Motiv angenommen werden. „Wohnungslose werden nicht selten attackiert, eben weil sie wohnungslos sind und damit in den Augen der Täter:innen als ‚unnütz‘, ‚minderwertig‘ oder ‚rechtlos‘ gelten“, sagt BAGW-Chefin Werena Rosenke. „Für ihre persönliche Lage werden die Betroffenen selbst verantwortlich gemacht und das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Leben wird den Geschädigten aktiv abgesprochen.“ Solche Taten richteten sich „nicht nur gegen das Opfer selbst, sondern gegen alle wohnungslosen Menschen“.

Wer obdachlos ist, kann sich auch vor Gewalt nicht schützen. Was schützt, ist eine eigene Wohnung, eine Tür, die man schließen kann.