Auf Umwegen zu Hilfe
Bei ihren täglichen Touren durch die Dortmunder und Bochumer Innenstadt versorgen die „Kaffee & Knifte“-Teams von bodo Menschen auf der Straße mit dem Nötigsten und informieren über Hilfs- und Beratungsangebote in den bodo-Anlaufstellen. Doch der steigende Vertreibungsdruck im öffentlichen Raum verändert ihre Wege und ihre Arbeit.

Startpunkt der Dortmunder Touren ist die Anlaufstelle in der Schwanenstraße. Um zehn Uhr bereiten dort die beiden ehrenamtlichen Helferinnen Margot und Maria die heutige Tour vor. Sie schmieren Brote und beladen den roten Postwagen mit allem, was sie für die knapp zweistündige Runde brauchen: Kaffee und Tee, frisches Obst, Getränke, Hygieneartikel und verschiedene Süßigkeiten.
„Besonders gut gehen auch immer 5-Minuten-Terrinen“, sagt Maria, während sie die fertigen Butterbrottüten und die großen Kaffeekannen in den umgebauten roten Postwagen räumt. In die letzten Freiräume packt sie noch Taschentücher, Socken und Mützen. „Wenn jemand größeren Bedarf an Kleidung hat, schicken wir ihn in die Anlaufstelle.“ An den Griff hängt sie noch zwei Schlafsäcke. „Gerade wenn es viel geregnet hat, werden wir oft danach gefragt.“ Nach einer halben Stunde ist alles vorbereitet, und das Team macht sich auf den Weg.
„Früher sind wir immer direkt den Westenhellweg runtergegangen. Mittlerweile weichen viele Leute auf Seitenstraßen aus, deshalb haben wir unsere Route etwas angepasst“, erzählt Margot, die seit drei Jahren dabei ist. Bereits nach wenigen Metern auf dem Brüderweg werden die beiden angesprochen. Eine Suppe und ein Käsebrot finden eine Abnehmerin.
Wenige Schritte weiter wiederholt sich der Ablauf. Meistens werden die kurzen Stopps von einem kurzen Plausch begleitet. „Wenn uns jemand von Problemen erzählt, verweisen wir auf die Beratungsangebote in der Schwanenstraße. Wenn die Leute dann den Mut fassen, dort vorbeizukommen, ist das ein gutes Gefühl.“ „Viele Menschen erfahren auf den ‚Kaffee-&-Knifte-Touren‘ von unseren Angeboten“, sagt Lutz Rutkowski, Sozialarbeiter bei bodo später. „Wenn sich der Lebensmittelpunkt unserer KlientInnen durch Vertreibungsdruck in umliegende Wohngebiete verschiebt, wird es für uns schwieriger, sie überhaupt zu erreichen.“
Bereits nach wenigen Metern auf dem Westenhellweg biegen die beiden in eine Seitenstraße Richtung Hansaplatz ein. „Ich habe den Eindruck, dass die Leute deutlich mehr in Bewegung sind, als sie es noch vor einem Jahr waren“, sagt Margot. „Als ich hier angefangen habe, war es noch oft so, dass wir Menschen an festen Plätzen angetroffen haben. Mittlerweile kommen die Leute direkt auf uns zu.“ Am Hansaplatz treffen wir eine schlafende Person. „Natürlich will man niemanden stören, aber wir schauen schon immer, ob alles okay ist.“ Vielen anderen sieht man ihre soziale Not nicht an. Betroffene versuchen häufig, ihre Situation zu verschleiern und im öffentlichen Raum nicht aufzufallen. Als obdachlos erkannt wird meist nur, wer es nicht mehr schafft, seine Situation zu verstecken.
Während Margot und Maria weiter durch die Seitenstra ßen rund um den Westenhellweg gehen, führen sie eine Strichliste darüber, wie viele Menschen sie antreffen. Als sie nach knapp zwei Stunden mit leerem Wagen wieder an bodos Anlaufstelle in der Schwanenstraße ankommen, haben sie 21 Menschen erreicht, darunter 17 Männer und vier Frauen – ein ruhiger Tag.