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Ein Tag der Wohnungslosen

Ein Tag der Wohnungslosen

Am 11. September findet jährlich der bundesweite Aktionstag statt, der auf die Situation von Menschen ohne eigene Wohnung aufmerksam macht. Zum dritten Mal luden die Dortmunder Ak teure der Wohnungslosenhilfe aus diesem Anlass ins Wichern haus in der Nordstadt. Zu Wort kamen diejenigen, um die es geht.

Bis 2030 möchte die Bundesregierung Ob dach- und Wohnungslosigkeit überwinden. Für Dortmund haben Diakonie, Gast-Haus, Grünbau, VSE, Soziales Zentrum und bodo 2023 Handlungsempfehlungen für die Stadt entwickelt. Das Papier war gleichzeitig Auf takt einer Reihe zum Tag der Wohnungslo sen: Nachdem die Träger 2023 ihre gemein samen Positionen vorgestellt hatten, lud das Netzwerk im vergangenen Jahr Ratsvertre terInnen zur Diskussion. Dieses mal stand allein die Perspektive der Betroffenen im Zentrum. Und die waren zahlreich erschie nen und beteiligten sich engagiert an den Diskussionen.

Nach Eröffnungsworten von Niels Back, dem Geschäftsführer der Diakonie und Gastgeber, im großen Hauptraum, den die meisten Gäste „Wohnzimmer“ nennen, ging es in die Workshops: Fünf Stellwände neben großen Tischen markierten fünf Themen, die zum Austausch und zur Diskussion einluden.

„Keine Wohnung darf verlorengehen“ lautete der erste Themenschwerpunkt. Einstiegsfragen auf der Stellwand lenkten die Diskussion: „Warum habt ihr Wohnraum verloren? Was für Hilfen hättet ihr gebraucht?“ Schnell sind sich die TeilnehmerInnen einig: Wohnungsverlust zu verhindern wäre einfacher als ein neuer Zugang zum Wohnungsmarkt für Wohnungslose. „Einmal raus, kommst du so schnell nicht wieder rein“, fasste ein Teilnehmer das Problem zusammen.

„Wohnen ist ein Menschenrecht“ stand auf der nächsten Wand. Hier geht es um die fast aussichtslose Suche nach einer neuen Bleibe. „Meist wird man gar nicht ernst genommen, wenn man sagt, dass man aktuell keine Wohnung hat“, erzählte eine Teilnehmerin. Eine häufige Erfahrung: Gibt es auch nur einen zweiten Bewerber, bleibt die wohnungslose Person außen vor. Und inzwischen ist die Konkurrenz meist riesig.

Unter der Überschrift „Die Stadt gehört allen“ diskutierten die Teilnehmenden die Alltagsprobleme auf der Straße. Hier waren zwei der größten Schwierigkeiten schnell identifiziert: der Mangel an öffentlichen Toiletten und der an Schließfächern.

Vor der Stellwand „Keiner muss draußen schlafen“ geht es um Notschlafstellen. Betroffene berichteten von problematischen, auch entwürdigenden Erfahrungen: hohe Hürden, große Unsicherheit, Konflikte. „Dann lieber draußen, auch wenn es gefährlich ist“, sagte ein Diskutant. Dennis, selbst lange obdachlos, brachte es auf den Punkt: „Die Frage ist nicht, warum Leute draußen schlafen. Die Frage ist: Wie schlecht muss ein Angebot sein, dass man sich für die Straße entscheidet?“


In der Schlussrunde unter dem Titel „Jetzt redet ihr!“ wurde noch einmal deutlich, wie viele starke Stimmen und kenntnisreiche Positionen aus dem Kreis der von Wohnungslosigkeit Betroffenen kommen. Ein nachdrückliches Signal an die Stadtgesellschaft und die anwesenden LokalpolitikerInnen. Schließlich hat sich auch der Rat der Stadt zum Ziel „0 bis 2030“ bekannt.

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