„Draußen bleiben kann nicht die Alternative sein“
Nach Todesfall eines Wohnungslosen fordert der bodo e.V. funktionierende Angebote
Nach dem Tod eines wohnungslosen Mannes in der Dortmunder Innenstadt am Wochenende macht der bodo e.V. noch einmal deutlich, dass es funktionierende Angebote für Wohnungslose im Winter braucht. Vor über einem Jahr hatte die Stadt Dortmund zusätzliche niedrigschwellige Unterkünfte angekündigt, die immer noch nicht geschaffen sind“, sagt bodo-Sozialarbeiter Lutz Rutkowski. „Wenn wohnungslose Menschen nicht in den Übernachtungsstellen ankommen, heißt das, dass diese nicht so funktionieren, wie sie sollten.“

PassantInnen hatten den Mann am Sonntagvormittag leblos an einem Eingang der Reinoldikirche in der Innenstadt gefunden und den Notruf benachrichtigt. Dort hatte er laut Mitarbeitenden der Kirche seit einiger Zeit seinen Schlafplatz gehabt.
In den letzten Tagen war es winterlich kalt, auch tagsüber gingen die Temperaturen kaum über den Gefrierpunkt. Für Wohnungslose ohne Unterkunft ist das lebensgefährlich. Im letzten Winter waren mindestens drei Obdachlose in Dortmund an Unterkühlung gestorben. Ob dies auch bei dem Mann am Wochenende zum Tod führte, soll ein Todesermittlungsverfahren klären.
Der bodo e.V. ist verärgert. „Die zusätzlichen niedrigschwelligen Unterkünfte, die die Stadt vor über einem Jahr angekündigt hat, gibt es immer noch nicht. Eine Entscheidung darüber hat der Rat vor Weihnachten ins neue Jahr verschoben“, sagt bodo-Sozialarbeiter Lutz Rutkowski. „Selbst wenn in der Februar-Sitzung entschieden wird: Bis es sie gibt, ist der Winter vorbei.“
Zugleich zeigt sich für den Verein der Wohnungslosenhilfe, dass die Abläufe bei der Unterbringung für viele Obdachlose offenbar nicht ausreichend funktionieren. Wer als Mann obdachlos ist, muss obligatorisch zur Männerübernachtungsstelle in der Unionstraße. Ist es dort voll, werden Hilfesuchende zur Container-Unterkunft am Dortmunder Zoo geschickt, die als Überlauf fungiert. Den Weg dorthin, rund sechs Kilometer, müssen sie aber selbst bewerkstelligen. „Viele Wohnungslose schaffen es aber nicht, solche Wege zurück zu legen, sei es aufgrund psychischer Belastungen oder körperlicher Einschränkungen“, erklärt Rutkowski. „Außerdem: Wer kein Geld für eine Übernachtung hat, hat in der Regel auch keines für ein Bahnticket. So riskieren Betroffene auch noch, wegen Fahrens ohne Fahrschein schlimmstenfalls ins Gefängnis zu gehen.“ Für den Sozialarbeiter ist klar: „Gerade bei diesen Temperaturen müssen Wohnungslose schnell, unkompliziert und ohne weite Strecken überbrücken zu müssen einen Schlafplatz finden können. Es kann nicht sein, dass die Alternative für viele ist, draußen zu bleiben.“
Der bodo e.V. appelliert bei den eisigen Temperaturen, mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen: Schauen Sie nicht weg! Wenn Sie eine obdachlose Person sehen und sich Sorgen machen, sprechen Sie sie an. Meist wissen Menschen gut, wie es ihnen geht und was sie gerade brauchen. Wenn Sie den Eindruck haben, es liegt ein medizinischer Notfall vor, rufen Sie die 112!