Obdachloser Mann im Dortmunder Hafen getötet
Nur einen Tag nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen obdachlosen Mann in der Innenstadt ist in Dortmund wieder ein Mann ohne festen Wohnsitz getötet worden. Er starb nach Polizeiangaben am Donnerstagabend (4. April) nach einem Angriff am Hafen. Es wurden vier minderjährige Tatverdächtige ermittelt.
Von Alexandra Gehrhardt

Der Getötete ist ein 31-jähriger Mann mit polnischer Staatsangehörigkeit, teilt Staatsanwalt Henner Kruse mit. Er hatte zuletzt keinen festen Wohnsitz. In einer Polizeimeldung von Donnerstag heißt es, dass Augenzeugen am frühen Abend eine Auseinandersetzung zwischen den Tatverdächtigen und dem Getöteten beobachtet hatten und die Polizei verständigten. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft war der Mann mit zahlreichen Messerstichen verletzt worden und ins Wasser gestürzt. Er habe noch wieder heraus kommen können, sei dann aber zusammengebrochen und verstorben.
Polizei und Staatsanwaltschaft teilten mit, vier minderjährige Tatverdächtige, zwei 13-Jährige und zwei 14- und 15 Jährige, festgenommen zu haben. Am Freitagnachmittag ergänzten sie: Videoaufnahmen zeigten, dass einer der 13-Jährigen den Mann getötet habe. Derzeit werde noch untersucht, ob die Jugendlichen an der Tat beteiligt waren, Anhaltspunkte dafür gebe es aber nicht. Der mutmaßliche Täter, teilte die Polizei am Montag (08. April) mit, wurde in einer Einrichtung untergebracht. Strafrechtliche Folgen wird die Tat für ihn nicht haben – mit 13 Jahren ist er strafunmündig.
Gewalt gegen Wohnungslose ist alltäglich
Gewalt gegen Wohnungslose ist alltäglich. „Die Gewalt geht dabei von Tätern aus verschiedenen Schichten der Gesellschaft aus“, so die BAG W, Sozialdarwinismus muss als häufiges Motiv angenommen werden. „Wohnungslose werden nicht selten attackiert, eben weil sie wohnungslos sind und damit in den Augen der Täter:innen als ‚unnütz‘, ‚minderwertig‘ oder ‚rechtlos‘ gelten“. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zählt mindestens 288 Wohnungslose seit 1989, die durch nicht-wohnungslose TäterInnen getötet wurden. Wer obdachlos ist, kann sich auch vor Gewalt nicht schützen. Was schützt, ist eine eigene Wohnung.