29. Februar 2016 | Neues von bodo | Redaktion

Theorie und Praxis

Im Rahmen des Forschungskolloquiums am Institut für Raumplanung der TU Dortmund sprachen im Februar Geografin Sandra Schindlauer, Doktorandin an der Bauhaus-Universität Weimar, und Bastian Pütter von bodo e.V. zum Thema Obdachlosigkeit.

Sandra Schindlauer forscht zu den Facetten sozialer Ungleichheit und besonders zu wohnungs- und obdachlosen Personen im öffentlichen Raum deutscher Großstädte. Ihr Vortrag „Über die Freiwilligkeit, draußen zu schlafen“ betonte den massiven Anstieg der Wohnungslosenzahlen, der bereits allein das Stereotyp widerlege, niemand müsse obdachlos sein. Sie analysierte die Strategien der Schuldzuschreibungen, die Wohnungslose zu allein Verantwortlichen für ihre Lage machten und erinnerte an die Unterbringungspflicht der Kommunen.

Bastian Pütter sprach in seinem Vortrag „Über das Unsichtbarmachen“ zuerst über Vertreibung und das „Regieren“ des öffentlichen Raums am Beispiel Dortmund. Anschließend zeigte er das Dilemma der Wohnungslosenhilfe auf, dass erst passgenaue Hilfsangebote Obdachlosigkeit überhaupt sichtbar machten. Hohe Zugangsschwellen und statistische Ausschlüsse z.B. von zugewanderten oder geflüchteten Obdachlosen seien leider der günstigste Weg, Wohnungslosenzahlen zu „senken“. Die anschließende engagierte Diskussion erweiterte das Feld um Fragen des sozialen Wohnungsbaus und der Flüchtlingsunterbringung.