31. Oktober 2016 | Soziales | bp

Wer stört

Im Oktober forderte die Dortmunder CDU im Rat, die Verwaltung möge klären, wie am Hauptbahnhof „Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit“ gewährleistet werden könnten, schließlich gebe es dort „Ansammlungen von Obdachlosen und Problemgruppen“. Kurz zuvor hatten die Ruhr Nachrichten nach Beschwerden des Cityrings u.a. von einer zunehmenden Zahl Bettler und von „wilden Campern“ (gemeint sind Obdachlose) vor Ladeneingängen auf dem Westenhellweg berichtet. Die Befunde zumindest stimmen. Das Problem als ein allein ordnungsrechtliches zu behandeln und auf Verdrängung und Vertreibung zu setzen, kann keine Lösung sein.

Die sichtbaren Obdachlosen bilden die Spitze eines Eisbergs, denn den meisten auf der Straße Lebenden gelingt es, unsichtbar zu bleiben. Auch wenn das zunehmend schwieriger wird: Leerstände, die lange als selbstgesuchte Notquartiere dienten, existieren kaum noch. Auf Bahn- und Industrieflächen steigt der Vertreibungsdruck. Der Wohnungsmangel, der das Ruhrgebiet erreicht hat, führt mittelbar zu weiter steigenden Zahlen.

Unzureichende Notunterkünfte führen dazu, dass Menschen trotz widriger Bedingungen den Park oder sogar den Hauseingang als Schlafplatz vorziehen. In Dortmund ist vor einem Jahr der Vertrag des Betreibers der Männerübernachtungsstelle Unionstraße ausgelaufen, inzwischen läuft wenigstens eine neue Ausschreibung.

Vor allem in Dortmund nimmt die Zahl der Menschen zu, die meist schlecht auf die Kälte vorbereitet, die Nächte im Innenstadtbereich verbringen. Wenn Sie sich Sorgen um das Wohlergehen eines Betroffenen machen, sprechen Sie ihn oder sie an und rufen gegebenenfalls die Polizei. Die Kommunen sind zur Unterbringung verpflichtet.