30. Juni 2017 | Straßenmagazin | age

Notunterkünfte ziehen um

Niemand muss draußen schlafen, betonen die NRW-Kommunen stets. In Bochum und Dortmund sollen die alten, baufälligen und zu klein gewordenen Übernachtungsstellen in diesem Jahr aufgegeben und neue Unterkünfte gefunden werden.

Fast 21.000 Menschen in NRW waren 2015 wohnungslos, 5.000 mehr als 2010. Die jährliche amtliche Berichterstattung über Wohnungsnotfälle bietet Zahlen über das Ausmaß von Wohnungslosigkeit in Nordrhein-Westfalen. Wie viele Menschen in prekären Wohnverhältnissen leben oder tatsächlich obdachlos sind, kann nur geschätzt werden, eine Statistik fehlt.

Die beiden Notunterkünfte für Erwachsene in Dortmund verzeichneten steigende Zahlen, die Frauenübernachtungsstelle ist nach Angaben der Stadt fast regelmäßig überbelegt, die Männerübernachtungsstelle mit Notplätzen zu fast 80 Prozent ausgelastet. Die Hälfte der Männer bleibt länger als ein halbes Jahr. Das Gebäude in der Unionstraße muss außerdem neu gebaut werden. Im Winter soll die Einrichtung in die ehemalige Abendrealschule in der Adlerstraße umziehen, ein Jahr später zurück ins neue und größere Haus. Bis vor kurzem lebten in der Adlerstraße Geflüchtete, bis zu zehn Menschen hatten in einem Raum geschlafen, in Containern im Hof geduscht. Für die Frauenübernachtungsstelle wird noch ein neuer Standort gesucht. Auch in Bochum stehen Bauarbeiten an: Das 90 Jahre alte Fliednerhaus muss abgerissen werden. Bis zum Jahresende, heißt es aus der Pressestelle, will die Stadt eine neue Unterkunft gefunden haben.

Wichtige Punkte bleiben dabei ungeklärt. Wie kann es gelingen, Obdachlose schnell so unterzubringen, dass sie nicht monatelang in Notunterkünften schlafen müssen? Wie können Menschen ins Hilfesystem gelangen, auch wenn sie keinen Anspruch auf Sozialleistungen und eine Kostenübernahme haben? Wie will die Stadt ihr „Dilemma“ mit obdachlosen EU-Zugewanderten lösen? Wenn diese nach der „reinen Nothilfe für eine Nacht“ das Busticket ins Heimatland ablehnen, gelten sie als „freiwillig“ obdachlos. Sie werden von den neuen Unterkünften nichts haben.