31. Oktober 2016 | Soziales | bp

Nordstadtbilder

Die Dortmunder Nordstadt ist eine einzige Projektionsfläche. Anhand des ehemaligen Arbeiterstadtteils direkt hinter dem Hauptbahnhof lässt sich alles Schlechte und das meiste Gute über städtisches Leben erzählen. Diese Geschichten von Anwohnern, Stadtteil-„Profis“, Journalisten und Menschen, die nie dort waren, passen selten zusammen. Erzählt werden sie trotzdem. Zuletzt im Rahmen einer Aktuellen Stunde im Landtag.

Anfang Oktober hatten Zivilpolizisten an der Mallinckrodtstraße einen 24-Jährigen festgenommen, der ein Trinkpäckchen auf einen Streifenwagen geworfen hatte. Um die Polizisten bildete sich eine teils aggressive Menschenmenge, die sich erst beim Eintreffen weiterer Streifenwagen auflöste.
Die Hörder CDU-Landtagsabgeordnete Claudia Middendorf und ihr Fraktionskollege Gregor Golland nahmen das zum Anlass für eine Kleine Anfrage, die eine Aktuelle Stunde im Landtag nach sich zog, bei der es zum Teil hoch herging. Middendorf stellte fest: „Jetzt haben wir also auch in Dortmund rechtsfreie Räume, in denen ganze Clans keinen Respekt mehr vor der Polizei zeigen.“ Ihr Kollege Golland sekundierte: „Man muss von einer No-Go-Area sprechen”.

Dieses Sprechen über die Nordstadt folgte dabei einem rund 150 Jahre alten Muster, bei dem der Riss nicht entlang von Parteigrenzen verläuft, sondern zwischen innen und außen. Folgerichtig entgegnete die Vorsitzende des CDU-Stadtbezirks Innenstadt-Nord, Gerda Horitzky, in den Ruhr Nachrichten: „Mein Gott, wer hat das denn veröffentlicht? Diese Aussagen sind eine Frechheit. Das sagen Leute, die hier nicht wohnen.“

Während die Lobbyorganisationen der Polizei am dramatischen Bild der Lage mitzeichnen, reagieren die Kollegen vor Ort mit Kopfschütteln. „Wenn unsere Beamten wegen eines geworfenen Trinkpäckchens eingreifen, zeigt das doch, dass wir wirklich jedes Delikt verfolgen, das wir mitbekommen“, sagte Dirk Hamelmann, stellvertretender Leiter der Wache Nord der Welt. Die „Rudelbildung“ bei Polizeieinsätzen sei „kein Nordstadtphänomen“.