31. März 2017 | Straßenmagazin |

Alles unter Kontrolle

Das Frauenfilmfestival wird 30

Das Frauenfilmfestival wird 30
Foto: IFFF Dortmund | Köln

Vom 4. bis zum 9. April findet das IFFF in Dortmund statt. Rund 8.000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet. 120 Filme werden gezeigt, parallel ein vielfältiges Rahmenprogramm geboten. Hierzulande ist das IFFF das einzige Festival seiner Art. Es hat Krisen überstanden. Es ist gewachsen. Und es ist nötiger denn je. Von Wolfgang Kienast.

„Als das Festival vor dreißig Jahren gegründet wurde“, sagt dessen Leiterin Silke Räbiger, „da hatten wir noch gedacht, es wäre quasi von Geburt an ein Auslaufmodell. Wir hatten gedacht, eine Veranstaltung wie diese wäre in ein paar Jahren obsolet. Die heutige Situation zeigt: Wir haben uns leider geirrt. Abwertende und nationalistische Töne nehmen zu. Wir haben Trump in den Vereinigten Staaten, müssen diffamierende Aussagen aus Polen und der Türkei zur Kenntnis nehmen und uns mit Positionen wie denen der AfD auseinandersetzen. Dabei geht es nicht nur um die Rechte der Frauen. Angriffe auf Frauen sind immer rassistisch. Es sind immer auch Angriffe auf die Demokratie.“

Heikle Zeiten für eine offene Gesellschaft. „IN CONTROL…of the situation“, der Fokus der diesjährigen Ausgabe des IFFF (oder auf Deutsch: „Alles unter Kontrolle“) kann vor genanntem Hintergrund wie ein ironischer Kommentar gelesen werden. Gewählt wurde der Titel bereits im vergangenen Jahr – wobei die Realität die anfangs gedachten Perspektiven und Positionen innerhalb weniger Monate überholen sollte. Das gilt einerseits für die gesellschaftliche, respektive politische Ebene. Permanente Überwachung, persönlicher Kontrollwahn, gnadenlose Selbstoptimierung und die Rolle, die soziale Medien in diesem Zusammenhang spielen, reichen allerdings weit hinein in den persönlichen Alltag einer/s jeden.

Seit jeher liefern Situationen (und wie sie außer Kontrolle geraten) dankbar den Stoff für eine künstlerische Auseinandersetzung – kraft der bewegten Bilder das Metier für Filmschaffende. Das Festivalprogramm bietet hier zahlreiche Lesarten, fiktive und dokumentarische, dramatische und vergnügliche, individuelle und allgemeine. Dabei wird auch in diesem Jahr der mit 15.000 Euro dotierte Spielfilmwettbewerb für Regisseurinnen bei der öffentlichen Wahrnehmung eine große Rolle spielen. Doch das Publikum sollte dem gesamten Programm Beachtung schenken, das insgesamt zehn sorgfältig kuratierte Reihen beinhaltet.

Neben den etablierten Spielorten (Kino im U, Schauburg, sweetSixteen und Cinestar) ist heuer erstmals das Deutsche Fußballmuseum am Festival beteiligt. Gezeigt wird in „Die schönste Nebensache der Welt“, dass Frauenfußball noch in den 1950er Jahren vom DFB offiziell verboten war und wie 1989 ein Kaffeeservice als Prämie für den Gewinn der Europameisterschaft ausgelobt werden konnte.

Weitere Highlights sind mit Sicherheit das Stummfilmprogramm, die lange Kurzfilmnacht oder die Filmfahrradtour durch Dortmund, bei der ein mobiler Beamer ausgewählte Fassaden zu Leinwänden macht.

Das gesamte Programm und weitere Informationen: www.frauenfilmfestival.eu