2. Februar 2017 | Neues von bodo | bp

Übernachten im Bahnhof

Foto: Daniel Sadrowski

Während längerer Kälteperioden lässt auch in diesem Winter die Bogestra die Rolltore zu den U-Bahnstationen an den Bahnhöfen Bochum (Bild), Herne und Gelsenkirchen für Obdachlose geöffnet. Im Ruhrgebiet ist sie damit allein. Die Dortmunder DSW21 verweist auf die vorhandenen Übernachtungsmöglichkeiten, auf Gefahren durch ein unberechtigtes Betreten der Gleise und auf erhöhte Unfallrisiken.

Ähnlich argumentieren die Verkehrsbetriebe in Essen, Mühlheim und Düsseldorf. Städte wie Frankfurt, Berlin oder Hannover verfahren wie Bochum und öffnen zentrale Bahnhöfe im Winter. In Bremen erlauben die Verkehrsbetriebe bei Kälte zusätzlich die kostenlose Nutzung von Bussen und Bahnen durch Obdachlose. In vielen Großstädten bieten darüber hinaus Kältebusse ein aufsuchendes Angebot.

„Das Leben ist kein U-Bahnhof“ heißt eine Kampagne, die unsere KollegInnen von der Berliner Straßenzeitung „strassenfeger“ 2012 initiiert haben und die seitdem mit prominenter Unterstützung Spenden für Nothilfeprogramme sammelt. Auch sie verweist auf das Dilemma: Seit 1991 sind laut Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) mindestens 289 Obdachlose in Deutschland an Unterkühlung gestorben. Erfrierungsschutz ist notwendig und richtig. Gleichzeitig bieten U-Bahnhöfe keinen Schutz vor Gewalt und weder Waschmöglichkeiten noch Toiletten. Ein Bahnhof ist keine Wohnung.