1. Dezember 2017 | Straßenmagazin | age

In Lebensgefahr

Dramatische Zahlen hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe BAG W vorgelegt. 52.000 Menschen lebten ihrer Schätzung nach 2016 auf der Straße. Insgesamt gelten rund 860.000 Menschen als wohnungslos. 2018 könnten es 1,2 Millionen sein.

Die Realität hat alle Prognosen hinter sich gelassen. 2014 hatte die BAG W rund 335.000 Wohnungslose geschätzt, bis 2018 drohten 500.000. Nun die Korrektur: Nicht eine halbe, sondern 1,2 Millionen Betroffene werden für 2018 prognostiziert. 2016, so die Schätzung, waren 860.000 Menschen betroffen, inklusive rund 440.000 anerkannten Geflüchteten, die erstmals eingerechnet wurden.

Wohnungslos ist, nach Definition der BAG W, „wer nicht über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügt“, also bei Freunden unterkommt, in einer Notunterkunft, im Frauenhaus oder einer städtischen Wohnung, deren Kosten Sozialamt oder Jobcenter tragen.

Etwa 52.000 Menschen leben ungeschützt draußen, „machen Platte“. Für sie bedeutet Winter Lebensgefahr, täglich. Ihre hohe Zahl – 30 Prozent mehr als 2014 – ist ein Anzeichen dafür, dass nicht nur bezahlbarer Wohnraum fehlt, sondern grundlegende Auffangsysteme versagen. Notübernachtungsstellen werden gemieden, wenn das gemeinsame Übernachten von Paaren oder das Mitnehmen des Hundes nicht erlaubt sind, und Menschen so „freiwillig“ draußen bleiben. Sie helfen nicht, wenn sie Menschen mit dem falschen Pass ausschließen.

Der Umgang mit Forderungen nach Nothilfe ist unterschiedlich. Während die Bochumer Verkehrsgesellschaft bogestra zögert und „spontan entscheiden“ will, wann sie den Hauptbahnhof zum Übernachten öffnet, behauptet die Dortmunder DSW21 ein Angebot, das es nicht gibt. Man werde die Königswallpassage im Hauptbahnhof für Obdachlose öffnen (die Unterführung ist nicht abschließbar, also immer offen), heißt es auf Anfrage, aber „wir bitten Betroffene, grundsätzlich immer die städtischen Übernachtungs- und Hilfeangebote zu nutzen“.

Wenn Sie eine obdachlose Person sehen und sich Sorgen um ihr Wohlergehen machen, sprechen sie sie an und rufen gegebenenfalls die Polizei. Kommunen sind zur Unterbringung verpflichtet.